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Portugal. The Man mit In The Mountain In The Cloud

Portugal. The Man mit In The Mountain In The Cloud

Portugal. The Man mit In The Mountain In The Cloud

Portugal. The Man In The Mountain In The Cloud

Mittlerweile ist die rastlose Spur, die PORTUGAL. THE MAN in den Boden geätzt haben, bestens dokumentiert: Der nomadische Pfad der Band schlängelt sich zuerst die Wasserfälle in Wasilla, Alaska hinunter (ja, genau die gleiche Stadt, deren Identität von einer berühmten Politikerin für sich beansprucht wurde, die wir fortan nicht mehr erwähnen wollen) und setzt sich schließlich in den Tümpeln und dem monochromatischen Dunst von Portland, Oregon nieder. Es gab Iditarod-rennende Eltern, tief im Wald versteckte hölzerne Hütten und jene Art von Erziehung, die jede Vorstellung von Konvention ins Gegenteil verzerrt.

Doch lasst uns dieses Kapitel der PORTUGAL. THE MAN-Kunde zuschlagen und nach vorne schauen. Denn das ist das PORTUGAL. THE MAN von damals – In The Mountain In The Cloud ist das PORTUGAL. THE MAN von jetzt.

In The Mountain In The Cloud ist PORTUGAL. THE MANs sechstes Studioalbum in ebenso viele Jahren und zugleich ihr Debüt für Atlantic Records. Den Schwung ihres unerwarteten Aufstiegs in 2006 und ihres FM Radio-Erfolgs „People Say“ (vom 2009er Album „The Satanic Satanist“) führen sie in In The Mountain In The Cloud weiter und setzen damit ihr „ein Album pro Jahr“-Muster fort. Ein Kunststück, das umso überwältigender ist, wenn man die leidenschaftliche Hingabe der Band zur offenen Straße bedenkt, die sie seit ihrer Gründung über 800 Shows absolvieren ließ – und zwar an jedem erdenklichen Ort, von Lastenaufzügen bis hin zum faszinierenden Set beim Bonnaroo Music Festival. In The Mountain In The Cloud ist das erste Album der Band, das sich ihre gewaltige Live-Energie zielsicher zunutze macht, ein Album, das die ethische, außergewöhnliche Vision von PORTUGAL. THE MAN vollkommen offenbart.

Während sich das Line-up von PORTUGAL. THE MAN (John Gourley, Zachary Scott Carothers, Jason Sechrist und Ryan Neighbors) weiterhin strikt dem Rock’n Roll-Schema „aufnehmen – touren – wiederholen, falls erforderlich“ widmet, wandert ihre Musik nach wie vor ohne festen Wohnsitz am Rande jedweder Genregrenzen umher. Mit ihren freien Wurzeln offenbart die Band eine akustische Anpassungsfähigkeit, die sich von allem unterscheidet, was ihre Kollegen zu bieten haben, und ihre Musik einem steten Inkubationsprozess unterwirft: Songs werden geboren und entwickeln sich organisch im Laufe des scheinbar endlosen Tour-Zyklus und der kleinen Splitter an Auszeiten, die sie sich beizeiten gönnen.

„Wir jammen oft auf Tour, das gibt uns ein gutes Gefühl dafür, was wir machen können“, sagt Gourley, der die Songs von PORTUGAL. THE MAN oft in einem isolierten Umfeld, im Haus seiner Eltern in Willow, Alaska, schreibt. „Selbst wenn ich einen Song alleine schreibe, entsteht er aber immer um das herum, was die Band macht, und die Dinge, die auch die anderen mögen. Ich habe mich dieses Mal sehr darum bemüht, die Songs vernünftig zu strukturieren; davor hatte ich am Anfang wirklich großen Respekt. Vielleicht liegt das daran, dass man sonst immer nur als Band spielt und dabei über Akkord-Folgen stolpert, die man schon eine Million Mal gehört hat. Irgendwann gewöhnst du dir automatisch an, seltsame und obskure Strukturen zu kreieren und die Melodien zu sehr zu verschleiern.“

Beim dynamischen „Got It All (This Can’t Be Living Now)” oder dem ausufernden „Sleep Forever“, dem anspruchsvollen Endpunkt von In The Mountain In The Cloud, ist das allerdings kein Thema. Das vielschichtige „Sleep Forever“ baut sich sanft um den zärtlichen Refrain von Gourley auf, während er ein morbides Bekenntnis abgibt („As I finally meet my end I won’t be scared, I won’t defend the things I’ve done”), bevor es sich schließlich in fieberhafte Höhen steigert und sich in einer wirbelnden Masse von Background-Gesang ergießt. Das großzügige „You Carried Us (All You See)” und das lebhafte „Senseless“ knüpfen nahtlos an jenes Fundament an, das die Band mit ihren vorangegangenen Werken gelegt hat, während die funkelnde Strahlung des schleichenden „Head Is A Flame (Cool With It)“ oder die gedämpften politischen Andeutungen des Openers „So American“ (in dem Gourley erklärt: „There’s a madness in us all“) einen flüchtigen Blick auf eine Band gewähren, die sich auf natürliche Weise in Echtzeit weiterentwickelt.

„Wir vertrauen einander“, sagt Gourley. „Sie vertrauen mir, wenn es um das Editieren des Songs geht, und ich traue ihnen in Bezug auf ihre eigenen Parts, die sie schreiben. Niemand von uns hat eine musikalische Ausbildung, wir spielen einfach nur die Dinge, die wir spielen, und machen im Prinzip einfach nur das, was wir machen.“

In The Mountain In The Cloud wurde 2010 in einem mühseligen nomadischen Prozess in El Paso, New York, San Diego, Los Angeles und zu guter Letzt in Seattle aufgenommen. Am Ruder saß Produzent John Hill (Santigold), unterstützt von Gourley und dem langjährigen Mitarbeiter der Band Casey Bates. „Es war ein wirklich intensiver Aufnahmeprozess“, berichtet Gourley, da sich Hills Erfahrung und sein ungewöhnlicher Ansatzpunkt mit der Albumvision der Band verzahnte. „Ich liebe dieses Santigold-Album. John hat uns als Band wirklich weitergeholfen, er hat uns zu dem angetrieben, was wir erreichen wollten.“ Als das geschehen war, gelangte das Album in die liebevollen Hände von Andy Wallace (Nirvana, Jeff Buckley), der das Mixing übernahm.

PORTUGAL. THE MANs unstillbares Bedürfnis zu kreieren, geht weit über das aufgenommene Produkt selbst hinaus, da die Band dank The Fantastic The, einer kreativen Vereinigung von Gourley und dem langjährigen Art Director Austin Sellers, maßgeblich am sorgfältig zusammengetragenen Artwork beteiligt ist: von einzigartigen Bühnen-Backdrops über Merchandise bis hin zu so ziemlich jeder anderen Fassade des Bildes, das sie liebevoll kontrollieren. Doch genau so wie Kunst an sich, kann auch Kontrolle relativ sein, daher hat die Band in der Vergangenheit geschickterweise das rohe Artwork von „The Satanic Satanist“ ihren Fans zur Verfügung gestellt und sie gebeten, die ausufernde künstlerische Vision des Albums neu zu interpretieren und nachzubilden. So pflegten PORTUGAL. THE MAN den lange bestehenden Dialog mit ihren Anhängern.

Und natürlich ist da noch eine Sache, die wir hier nicht ausklammern dürfen, nämlich dass eine Band mit einem einzigartigen und standhaften DIY-Stammbaum bei Atlantic Records unterschreibt. Mag das Gedächtnis unseres Punk-Rock-Muskels dahingehend trainiert sein, vehement jene Bands zu verurteilen, die sich dazu verführen lassen, ihre Tinte unter einen Major-Label-Vertrag zu setzen, muss man in diesem Fall bedenken, dass die Beziehung zwischen PORTUGAL. THE MAN und Atlantic Records das Resultat eines langen gegenseitigen und von Respekt geprägten Werbens umeinander ist. Während ihr neues Label eine wohlbekannte Reihe berühmter Alben in seinem Fahrwasser hat, war es letztlich Atlantics Künstler-Entwicklung, die die Band ins Boot holte. Gourley selbst erklärte den ergebenen Anhängern der Band in einem überschwänglichen Brief: „Wir sind Menschen. Wir sind Menschen, die Musik lieben. Wir leben, essen, schlafen, denken und lieben in dieser Blase von Musik. Erwartet nicht, Dinge von uns zu hören wie ‚wir mussten uns alles hart erkämpfen und haben auf diesen Moment hingearbeitet’, ganz zu schweigen von ‚wir hatten nichts zu essen und haben auf Hartholzböden geschlafen’, denn das nehmen wir für die Musik gerne in Kauf. Und wir haben das alles nicht deshalb gemacht, weil wir dachten, eines Tages am Zahltag anzukommen. Wir haben es gemacht, weil wir lieben, was wir tun. Und das wird sich nicht verändern. Denn das ist, was wir sind.“

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